Der Commodore Amiga (spanisch amiga: Freundin) war ein von Mitte der 1980er bis Anfang/Mitte der 1990er weit verbreiteter Computer, der besonders in seinen Einsteigermodellen (A500 und A1200) als Heimcomputer beliebt war. Für seine Zeit hatte er ausgeprägte Multimediafähigkeiten und ein leistungsfähiges, präemptives Multitasking-Betriebssystem. In der Commodore-Zeit arbeitete er durchgängig mit Prozessoren der Motorola-68000-Familie.Spiele
Für die Amiga-Plattform erschienen im Laufe der Jahre Hunderte an Spielen, herauszuheben sind unter anderem nachfolgende:
Als erstes Spiel gilt Mindwalker, welches den ersten Amiga 1000 beilag. 1986 erschien mit Defender of the Crown ein Spiel mit herausragender Grafik, die zum ersten Mal die Fähigkeiten des Systems weitestgehend ausnutzte; Shadow of the Beast legte 1989 die Messlatte durch ruckelfrei in mehreren Ebenen bewegte Grafik (Sprites) nochmals höher. Für neue Spielkonzepte stehen insbesondere Lemmings (1990) und Die Siedler (1993). Giana Sisters (1988) stand wegen eines Rechtsstreits nicht länger als eine Woche in den Regalen der Geschäfte und dürfte damit das am kürzesten auf dem Amiga-Markt erhältliche Spiel gewesen sein. Biing! – Sex, Intrigen und Skalpelle erschien 1995 wegen der damals noch recht geringen Verbreitung von CD-Laufwerken auch auf 19 Disketten – das Installationsprogramm zum Spiel enthielt selbst ein kleines Spiel, um die Wartezeit erträglich zu machen. Das Fußballspiel Sensible Soccer gilt noch heute als herausragendes Beispiel an Spielwitz und erschien in diversen Neuauflagen für unterschiedlichste Plattformen.
Hardware
Prozessor
Zu Zeiten von Commodore wurden durchweg Prozessoren der Motorola-68000-Familie verwendet. Es begann mit dem 68000, welcher nur als 16/32-Bit-System angesehen werden kann. Später kamen die höheren Mitglieder der Familie wie 68020, 68030, 68040 und 68060 zum Einsatz, die den Amiga zum kompletten 32-Bit-System machten.
Parallel dazu gab es zunächst auf Prozessor-Steckkarten und dann nach Commodore auch als Hauptprozessor Prozessoren aus der PowerPC-Familie (PPC).
Chipsatz
Wichtigstes Kennzeichen der klassischen Amiga-Hardware sind die spezialisierten Custom-Chips. Diese stellen eigenständige Co-Prozessoren dar, die den Hauptprozessor bei Grafikoperationen, Interruptverwaltung, Sounderzeugung und diversen Ein-/Ausgabeoperationen entlasten, wofür insgesamt 25 DMA-Kanäle zur Verfügung stehen. Die Amiga-Custom-Chips, das sogenannte Chipset, begründeten seinerzeit die langjährige Überlegenheit der Amiga-Hardware gegenüber konkurrierenden Systemen: Bis zum Anfang der 1990er-Jahre konnte kein anderes auf dem Markt durchgesetztes Computersystem mit ähnlich performanten und flexiblen Grafik- und Soundfähigkeiten aufwarten.
Das Chipset setzt sich aus den folgenden Custom-Chips zusammen:
- Paula – zuständig für Sound und Interruptkontrolle; enthält Teile des Diskettenkontrollers. Die Soundausgabe erfolgt über vier 8-Bit-PCM-Monokanäle (zwei Kanäle pro Stereokanal).
- Denise (OCS/ECS) bzw. Lisa (AGA) – zuständig für die Grafikausgabe. Enthält die Sprite-Logik, Farbregister und die Bitmapgrafik-Logik.
- Agnus (OCS/ECS) bzw. Alice (AGA) – das "Herz" des Amiga-Chipsatzes. Kontrolliert insgesamt 25 DMA-Kanäle, ist zuständig für das komplette System-Timing und enthält einen Blitter (zum schnellen Kopieren von Grafiken, Füllen von Flächen und Zeichnen von Linien) und den sog. Copper (Koprozessor mit eingeschränktem Befehlssatz zur pixelgenauen Veränderung von Chip-Registern).
Anfang der 1990er Jahre wirkte sich jedoch diese Fixierung auf den Chipset von Seiten des Betriebssystems zunehmend negativ auf die Flexibilität der Architektur aus, da man lange Zeit keine Möglichkeiten hatte, leistungsfähigere Erweiterungskarten wie z. B. Grafik- oder Soundkarten systemkonform zu nutzen. Dies führte in Kombination mit der stagnierenden Weiterentwicklung des Chipsets dazu, dass die Architektur in zunehmenden Maße veraltete und bis spätestens zur Mitte der 1990er Jahre bereits technisch überholt war.
Im Laufe der Zeit wurden drei verschiedene Versionen des Chipsets entwickelt: Amiga 1000, Amiga 500 und Amiga 2000 nutzen die erste Version von 1985, welche später auch als Original Chip Set (OCS) bezeichnet wurde. Im HiRes-Modus können damit Auflösungen von 640×256 beziehungsweise 640×512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL) mit einer Palette von maximal 16 aus 4096 möglichen Farben dargestellt werden. Ungleich flexibler ist der LoRes-Modus mit einer Auflösung von 320×256 beziehungsweise 320×512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL), der nicht nur die Möglichkeit bietet, eine frei wählbare Palette von 32 Farben zu nutzen, sondern im sogenannten HAM6-Modus auch alle 4096 Farben gleichzeitig (bei gewissen Einschränkungen) darzustellen. Zusätzlich gibt es noch den EHB-Modus (Extra Half Bright), der eine Palette von 64 Farben ermöglicht, wobei allerdings nur die ersten 32 frei wählbar sind und die restlichen aus diesen mit halber Helligkeit erzeugt werden. Mittels Overscan können diese Auflösungen geringfügig angepasst werden, indem die oberen und seitlichen Bildschirmränder eliminiert werden, um die Fläche des Videomonitors/Fernsehers besser auszunutzen. Mit dem Soundchip Paula ist es außerdem möglich, vierstimmigen 8-bit-Sound abzuspielen (zwei Stimmen pro Stereokanal), wobei Samples mit jeweils frei wählbarer Samplingfrequenz von bis zu 28 kHz (OCS) bzw. 56 kHz (ECS, AGA) abgespielt werden können.
Das im Amiga 600, Amiga 500 Plus und Amiga 3000 verwendete Enhanced Chip Set (ECS) aus dem Jahr 1990 wurde marginal um einen SuperHiRes-Modus mit 1280×256 beziehungsweise 1280×512 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (PAL) bei maximal 4 aus 64 Farben sowie freier programmierbaren Zeilenfrequenzen und die Möglichkeit, 2 MiB Chip-RAM zu adressieren, ergänzt.
Die letzte verkaufte Variante, der Advanced Graphics Architecture-(AGA-)Chipsatz aus dem Jahr 1992, kam erstmals im Amiga 4000 und später im Amiga 1200 zum Einsatz. (In Deutschland musste er als AA bezeichnet werden, weil es eine Namenskollision mit einer Grafikkarte aus der Anfangszeit der IBM-kompatiblen Commodore-PCs gab.) AGA erweitert die Farbtiefe von 12 bit (4096 Farben) auf 24 bit (16,8 Mio. Farben). Die Farbpaletten können mit AGA durchgehend 256 Einträge umfassen. Auch hier sind 2 MiB Chip-Ram möglich.
Der klassische Amiga unterscheidet beim Arbeitsspeicher (RAM) zwischen zwei verschiedenen Varianten: Das sogenannte Chip-Memory oder Chip-RAM, auf das der Prozessor und die Custom-Chips zugreifen können, sowie das sogenannte Fast-Memory oder Fast-RAM, das allein dem Prozessor zur Verfügung steht und daher deutlich schneller arbeitet. Das Chip-Memory entspricht in etwa dem Shared Memory, das häufig für onboard-Grafikkarten in PCs und Laptops verwendet wird. Dies hat aber den Vorteil, dass im Gegensatz zum PC keine feste Trennung vorliegt, sondern der Prozessor auch in den Speicher des Grafikchips schreiben kann, wodurch viele Grafikeffekte überhaupt erst möglich werden.
Erweiterungsbus
Das Bussystem des Amiga für Erweiterungssteckkarten ist der so genannte Zorro-Bus mit 24-Bit- (Zorro 2) bzw. 32-Bit-Adressraum (Zorro 3). Der A500 bzw. A1000 hat seitlich einen 86-poligen Anschluss mit Zorro-2-Bus, der A2000 hat intern mehrere 100-polige Zorro-2-Steckplätze (mechanisch ähnlich PC-Steckkarten). Der A3000 bzw. A4000 hat intern mehrere 100-polige Steckplätze mit Zorro-3-Bus. Die 32-Bit-Adressbreite bei Zorro3 wird durch Multiplexen einiger Signalleitungen erreicht. Durch einen Adapter kann man Zorro-2-Karten an einem Amiga 500/1000 betreiben. Selbstverständlich laufen auch alle Zorro-2-Karten noch am Zorro-3-Bus, da am Bus selbständig erkannt wird, ob es sich bei der Karte um eine Zorro-2- oder Zorro-3-Karte handelt. Mit einer sogenannten PC-Emulator-Karte oder einer Bridge-Karte sind auch handelsübliche IBM-kompatible 16-Bit-ISA-Steckkarten nutzbar.
Der Amiga hat bereits ein Autokonfigurationssystem (ähnlich dem späteren Plug-and-Play), welches dem Betriebssystem ermöglicht, Adressen und Interrupts den Karten variabel zuzuweisen. Daher gibt es viel weniger Konfliktpotenzial als bei den ISA-Slots des IBM-kompatiblen Systems.
Neben diesen Erweiterungssteckplätzen weisen viele Amiga-Modelle auch einen CPU-Slot auf, in den eine neue Prozessorkarte eingesteckt werden kann, deren Prozessor den Prozessor auf der Hauptplatine ablöst. Hierdurch konnten diese Amigas auf neuere, schnellere Prozessoren aktualisiert werden, ohne gleich den kompletten Rechner neu kaufen zu müssen.
Eine der gängigsten Erweiterungen für den internen Amiga-1200-Erweiterungsbus (einen abgespeckten Zorro-3-Bus) war die Blizzard-Turbokarte mit den Prozessoren 68030 bei 50 MHz, 68040 bei 25 MHz oder 68060 bei 50 MHz.
Grafikerweiterungen
Die größeren Amiga-Modelle A2000 (ab "B-Board"), A3000 und A4000 weisen außerdem einen Video-Slot auf, in den eine Grafikerweiterungskarte gesteckt werden kann. Dementsprechend sind auf ihm die eigenen Amiga-Videosignale verfügbar, um von so einer Karte weiter verarbeitet zu werden.
Eine weitere damals herausragende Möglichkeit des klassischen Amigas ist die Genlock-Fähigkeit. Diese ermöglicht beispielsweise (Chroma-)Keying – das Ersetzen einer bestimmen Farbe im Computerbild in Echtzeit durch ein Videobild. Hauptsächlich dient es aber dazu, den ganzen Amiga auf eine externe Videoquelle zu synchronisieren, so dass deren Videosignale reibungslos gemischt bzw. überlagert werden können. Deshalb wurde der Amiga oft zum privaten oder halbprofessionellen Videoschnitt, zur Vertitelung oder für aufwendige Blenden benutzt. Auch professionelle Bluebox-Anwendungen waren verfügbar. Diverse Sendeanstalten benutzten Amigas lange zur Einblendung ihrer Sendeanstalten-Logos in das laufende Programm oder als Schriftgenerator für Einblendung von z. B. Sportergebnissen und Zwischenständen.
Später wurden für den Amiga Grafikkarten angeboten, welche die beim Original vorhandenen Videofähigkeiten um "flimmerfreie" Darstellungen für im Büro notwendiges Arbeiten liefern sollten. Zu dieser Zeit machte der IBM-kompatible Computer zusammen mit Windows seinen Siegeszug in die Büros der Welt.
Die wohl bekannteste Hardwareerweiterung für den Amiga ist neben einer 512 KB große Speichererweiterung für den A500 der so genannte Scandoubler (mit integriertem Flickerfixer). Die ersten Modelle des Amiga (1000, 500 und 2000) können ausschließlich Videosignale entsprechend dem PAL- oder NTSC-Standard erzeugen, die mit einer Zeilenfrequenz von 15,625 kHz arbeiten. Höhere vertikale Auflösungen als ca. 256 Pixel sind damit nur durch Verwendung eines Zeilensprungverfahrens möglich, was zu heftigem Flimmern der Darstellung führt. Um dennoch VGA-Monitore ansteuern zu können, wurde der Scandoubler/Flickerfixer erdacht, der zum Einen die Zeilenfrequenz der PAL-Modi verdoppeln und zum Anderen in den Interlace-Auflösungen die zwei ausgegebenen Halbbilder zu einem Einzelbild zusammenfügen konnte und sie wie für diese Monitore erforderlich mit der doppelten Zeilenfrequenz von 31 kHz ausgeben kann. Amiga 500 Plus, 600 und 3000 konnten durch ihr erweitertes ECS-Chipset von sich aus mit unterschiedlichen Zeilenfrequenzen umgehen, müssen dabei allerdings mangels Speicherbandbreite Kompromisse eingehen, was die Auswahl der darstellbaren Farben angeht. Um den Amiga 3000 auch in Büroumgebungen einsetzen zu können, wurde hier ein Scandoubler/Flickerfixer bereits ab Werk eingebaut. Auch bei den neueren Modellen Amiga 1200 und 4000 war der Scandoubler/Flickerfixer eine beliebte Erweiterung. Aufgrund des nochmals erweiterten AGA-Chipsets waren diese Rechner zwar in der Lage, VGA-ähnliche Bildschirmmodi darzustellen, aber wegen des fehlenden Flickerfixers flimmerten die Interlace-Modi stark, was ein professionelles Arbeiten praktisch unmöglich machte; und zahlreiche Spiele, die direkt auf das AGA-Chipset zugriffen, zwangen den Amiga in einen 15,625-kHz-PAL-Modus.
Vorrangig in den USA benutzten Filmstudios und Fernsehsender den Amiga zusammen mit einer "Video Toaster" genannten Hardwareerweiterung für die tägliche Arbeit. Bekanntestes Beispiel dafür ist die Fernsehserie "Babylon 5", deren Spezialeffekte teilweise mit Amiga-Rechnern erzeugt wurden, ebenso wie bei der Fernsehserie "SeaQuest DSV". Die 3D-Computerprogramme Cinema 4D und Lightwave 3D standen ursprünglich nur auf diesem Rechner zur Verfügung.
Schwächen des Amiga
Das größte Problem für den Amiga sollte seine Herstellerfirma Commodore darstellen, die über die Zeit die Weiterentwicklung vernachlässigte und auch sonst diverse fatale Fehlentscheidungen traf.
Zwar war der Commodore Amiga vor allem mit den ersten Modellen 1000, 2000 und 500 seiner Zeit in puncto Grafik, Sound und Multitasking voraus – dennoch konnte er sich gegen den PC im Bürobereich nie durchsetzen. Die Gründe hierfür waren fast alle hausgemacht.
Spätestens bei der Markteinführung des Amiga 500 erhielt der Amiga den Ruf eines Spielecomputers, da dieser ein sehr großer Erfolg unter Jugendlichen wurde, die zwar viel mit dem Amiga spielten, aber eher selten für die Software bezahlten. Die Raubkopiererei im Schulhof erlebte damals eine große Konjunktur. Dieses Image belastete den Amiga, und trotz vieler Versuche dieses zu korrigieren, wurde der Amiga es nie richtig los und viele Nutzer des PCs würdigten damals die Vorzüge, hielten jedoch gebührenden Abstand zum Amiga. Das eher schwache Marketing von Commodore tat sein übriges.
Die vergleichsweise einfache Erstellung von Raubkopien führte neben Imageproblemen insbesondere zu einer abnehmenden Zahl an Spieleveöffentlichungen. Publisher konnten mit Konsolenversionen für das Mega Drive und die SNES deutlich mehr Spiele verkaufen, da hier das private Erstellen von Kopien praktisch unmöglich war. Mitte der 1990er lohnte sich selbst das Konvertieren eines Konsolenspiels auf den Amiga wegen zu geringer Verkaufszahlen nur noch in Einzelfällen.
Des Weiteren war der Amiga nur im Bereich der kombinierten Grafik wirklich schnell. Bei den klassischen Aufgaben in der Bürowelt zählte die Rechengeschwindigkeit mehr als grafische Fähigkeiten, und da konnte der Amiga zwar gut mithalten (z. B. gegenüber dem Intel 80286), war aber nicht so viel schneller, um einen Umstieg begründen zu können. Viele der Standardsoftware war für den Amiga nicht oder zu spät verfügbar. Selbst im Bereich Grafik hatte es z. B. der Bereich Konstruktion schwer. Das Flimmern (25 Hz) in der höchsten und für diesen Verwendungszweck einzig akzeptablen Auflösung machte ein Arbeiten auf lange Sicht unmöglich, allerdings entstanden dafür später Flickerfixer.
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