Hardware

Atari Lynx

Technische Daten


Abmessungen
- Lynx Classic: 27,3 cm × 10,8 cm × 3,8 cm
- Lynx II: 23,5 cm × 10,8 cm × 5,1 cm
- Display-Diagonale: ca. 8,9 cm

Hardware
Die Hardware besteht aus zwei speziell für den Lynx hergestellten CMOS-Chips:
- Mikey (8-Bit-CMOS-Chip)
     +MOS 65SC02-Prozessor getaktet mit 4 MHz, 8-Bit-CPU, 16-Bit Adressraum
     +Sound-Engine für 4-Kanal-Sound mit 16 Bit Auflösung
     +Video-Treiber für Flüssigkristallbildschirm
       *Auflösung: 160 × 102 Pixel (480 × 102 bei spezieller Farbwahl der Subpixel)
       *4096 Farben
       *Palette mit 16 Farben (durch Änderung der Palette sind mehr Farben darstellbar)
     +8 System Timer (kaskadierbar, zwei reserviert für Video-Timing, einer für UART)
     +Interrupt Controller
     +Serielle Schnittstelle (für ComLynx) bis zu 62500 Baud
     +512 Bytes Boot-ROM
- Suzy (16-Bit-CMOS-Chip getaktet mit 16 MHz)
     +Grafik-Engine
       *Hardware-Grafikbeschleuniger
       *Hardware-Sprites mit Kollisionserkennung
       *Hardware-Scrolling (über logische Bildschirmgröße bis zu 512 × 512 Pixel)
       *Hardware-Grafikeffekte (Dehnen, Stauchen und Verschieben (tilt) von Sprites)
     +mathematische Co-Prozessor mit 16-Bit-Multiplikations/Divisionseinheit (32-Bit-Ergebnis, parallel zur CPU)
- 64 KiB Hauptspeicher (120 ns)

Die Gamecards bieten bis zu 2 MiB Speicherplatz. Üblich sind allerdings nur 128 KiB-, 256 KiB- und 512 KiB-Karten, größere Karten bedürfen einer Bank-Switch-Logik.

Einige (nicht offizielle) Karten enthalten EEPROMs für Spielstände.

Geschichte


Der Lynx wurde ursprünglich von der Spielefirma Epyx entwickelt, die in erster Linie durch ihre Sportspiele für den Commodore C64 bekannt geworden war. Atari kaufte und entwickelte die Konsole zu Ende.

Es gibt zwei Varianten des Lynx: den Lynx Classic und den Lynx II. Der Lynx II unterscheidet sich vom Lynx Classic durch ein kompakteres Gehäuse, einen Schalter, um die Hintergrundbeleuchtung des Displays abzuschalten, und bei neueren Stereo-Sound am Kopfhörerausgang.

Die grafischen Möglichkeiten, die der Lynx bot, waren seinerzeit für ein Handheld revolutionär. Der Flüssigkristallbildschirm des Lynx verfügte über eine Auflösung von 160×102 Pixeln und konnte pro Zeile 16 Farben aus einer Palette von insgesamt 4096 Farben darstellen. Der Bildschirm verfügte über eine Hintergrundbeleuchtung, so dass auch in völliger Dunkelheit gespielt werden konnte. Die Darstellungsqualität des LC-Displays ist aber mit heutigen Farbdisplays – wie sie bspw. in Mobiltelefonen oder den tragbaren Konsolen von Nintendo und Sony verbaut werden – nicht vergleichbar. Der Kontrast war nach heutigen Maßstäben schwach und die Betrachtungswinkel sehr eng.

Der Lynx beherrscht Hardware-Scrolling und -Sprites und besitzt einen Grafik-Chip (oft fälschlicherweise als 3D-Chip bezeichnet), der Rastergrafiken rotieren und skalieren kann. Mit einem Knopfdruck lässt sich die Konsole auf Linkshänder-Betrieb umschalten. Das Bild und die Belegung des Steuerkreuzes werden dann um 180 Grad gedreht. Bis zu acht Lynx-Konsolen können für Multiplayer-Spiele über den so genannten ComLynx-Port zusammengeschlossen werden. Mit frischen Batterien bietet der Lynx vier bis fünf Stunden Spielspaß. Der hohe Batterieverbrauch rührt in erster Linie von der Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms her. Von Atari gab es einen Adapter für den Zigarettenanzünder, um auf langen Autofahrten die Batterien (und die Nerven der Eltern) zu schonen.

Die meisten Spiele für den Lynx sind Umsetzungen klassischer Atari/Midway-Automaten, daneben bietet die Konsole aber auch sehr gute Umsetzungen von Computer-Spielen wie zum Beispiel Lemmings. Bis heute entwickeln Heimentwickler Spiele für die Konsole. Die Spiele werden auf Speicherkarten (Gamecards) gespeichert.

Der Lynx erschien am 11. Oktober 1989, also fünf Monate nach dem Nintendo Game Boy, erreichte jedoch aufgrund des hohen Preises, des hohen Batterieverbrauchs, der vergleichsweise voluminösen Abmessungen und nicht zuletzt des schlechten Marketings seitens Atari nicht ansatzweise dessen Verkaufszahlen. Zudem fehlten erfolgreiche Spiele wie Super Mario für den Lynx. Das Gerät ist heute nur noch selten zu sehen. Es existiert aber noch immer eine Fangemeinde, die weiter für den Lynx entwickelt.

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